Probleme erkennen…

Sie haben diese Seite angeklickt, weil Sie sich um jemanden sorgen und den Verdacht haben, eine Ihnen nahestehende Person könnte gerade in eine Suchtproblematik abrutschen. Erfahrungen zeigen, dass Glücksspieler/-innen ihre Probleme oft sehr lange sogar vor engen Freundinnen, Freunden und Familienmitgliedern geheim halten können. Ein Verdacht kann letztlich nur durch ein offenes und ehrliches Gespräch bestätigt oder widerlegt werden. Da wir Menschen uns den eigenen Kontrollverlust nicht gerne eingestehen, wird problematisches Glücksspielverhalten häufig lange geleugnet und vertuscht. Die Symptome einer Spielproblematik können Spielende hauptsächlich selbst wahrnehmen – sie sind für Außenstehende schwer zu erkennen. Es gibt Anzeichen, die Hinweise auf eine Glücksspielproblematik sein können, nämlich:

  • Abhängige leiden oft unter chronischem Geldmangel, obwohl sie eigentlich ein geregeltes Einkommen haben. Sie / Er „vergisst“ oder versäumt Zahlungen wie z.B. Miete, Stromrechnung, etc.
  • Gefährdet sind besonders die Spielerinnen und Spieler, die einen Ehrgeiz entwickeln das Glücksspiel „gewinnen“ zu wollen. Sie sprechen davon, zu trainieren oder zu üben, davon, die Gegnerin / den Gegner (den Automaten, das Spiel, die Karten, die Technikerin / den Techniker und die Programmiererin) / den Programmierer) überlisten oder austricksen zu wollen.
  • Da das Glücksspielen relativ viel Zeit in Anspruch nimmt, werden Termine und Verabredungen vergessen, die Person ist häufig aus unerfindlichen Gründen nicht erreichbar oder beschäftigt.
  • Sie haben das Gefühl belogen zu werden.
  • Häufig sind verschiedene Versuche der Geldbeschaffung zu beobachten: der / die Betroffene will ständig aus verschiedenen Gründen Geld leihen, evtl. auch zu ungewöhnlichen Uhrzeiten. Er / Sie hat bei mehreren Personen im Freundeskreis oder der Familie Schulden.
  • Mitunter sind plötzlich große Mengen (Bar-)Geld vorhanden und werden übermütig ausgegeben, z.B. Luxusgüter gekauft, obwohl sonst häufig Geldmangel besteht.
  • Abhängige empfinden Spieldruck, wenn sie aus Zeit- oder Geldmangel nicht spielen können. Dies äußert sich in Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten, Gereiztheit oder sogar Aggressivität.
  • Im Rausch hat die Geldbeschaffung oberste Priorität für Abhängige. Eine Abhängige / ein Abhängiger schreckt nicht davor zurück, geliebte Menschen anzulügen. Evtl. werde auch Diebstähle im Job, aber auch in Familie oder Freundeskreis begangen (herumliegendes Bargeld, Geldbörsen oder Kreditkarten, auch Sparschweine). Es kann sein, dass eine Spielerin / ein Spieler Dinge tut, zu denen er / sie mit klarem Kopf niemals fähig gewesen wäre.

Jeder Mensch ist anders – Sie können Ihren Verdacht in einer Beratungsstelle / am Telefon / per Mail schildern und sich konkrete Ratschläge holen! Adressen und Telefonnummern finden Sie unter „Weiterführende Infos“

…und handeln!

Die folgenden Tipps gelten für alle, die sich Sorgen um das Glücksspielverhalten eines nahestehenden Menschen machen:

  • Alleine können Glücksspielprobleme nur schwer bewältigt werden. Zuallererst muss sich die Glücksspielerin / der Glücksspieler jemandem anvertrauen können. Machen Sie deutlich, dass Sie als Ansprechpartner/-in für Probleme zur Verfügung stehen. Auch wenn Sie denken, die / der Betroffene wisse das bereits – erwähnen Sie es ruhig nochmal!
  • Sie können helfen, indem Sie der Spielerin / dem Spieler vermitteln, dass Sie ein offenes Ohr haben und sie / ihn nicht verurteilen. Vermeiden Sie Vorwürfe wie „Wie konntest du nur so abrutschen?“ oder „Weißt du eigentlich, was du damit deiner Familie / deinem Freundeskreis antust?“
  • Nehmen Sie das Schweigen der Spielerin / des Spielers über die Krankheit nicht persönlich. Viele Glücksspieler/-innen brauchen extrem lange dafür, sich selbst ihre Probleme einzugestehen. Oft erfahren der Freundeskreis und die Familie erst nach Jahren, dass es ein Problem gibt. Grund dafür sind Scham und Schuldgefühl und der Wunsch, die Angehörigen zu schützen. Je mehr man jemanden liebt, desto größer ist der Impuls, die Person schützen zu wollen.
  • Leihen oder schenken Sie einer / einem Spielenden grundsätzlich kein Geld! Damit unterstützen Sie nicht den geliebten Menschen, sondern „füttern“ regelrecht die Krankheit. Meist ist der Druck durch Schulden und Geldmangel der einzige Aspekt, der pathologische Glücksspieler/-innen dazu bringen kann, Hilfe anzunehmen. Es wird Ihnen hart vorkommen, doch es ist für die Spielende / den Spielenden eine größere Hilfe, wenn Sie sich weigern, ihr / ihm Geld zu geben.
  • Bieten Sie stattdessen Hilfe bei der Suche nach professioneller Hilfe an! Beratungsmöglichkeiten gibt es in jeder Stadt sowie online und telefonisch. Versuchen Sie, die / den Spielenden zu überzeugen, dass sie / er sich helfen lassen sollte, aber beachten Sie dabei, wie schwierig dieser Schritt für sie / ihn ist. Besonders hilfreicher ist es, konkretes Handeln zu unterstützen. Bieten Sie an, den Kontakt herzustellen, das Gespräch einzuleiten, den Termin auszumachen, gemeinsam zum Termin zu fahren, etc.
  • Erkennen Sie Ihre eigene Belastung. Das mag Ihnen zunächst absurd vorkommen, doch es ist wahr: auch Sie stecken nun in einer sehr schwierigen Situation. Um einem geliebten Menschen eine echte Hilfe zu sein, müssen Sie unbedingt vermeiden, sich zu überfordern. Wenn Sie versuchen, die Kontrolle zu übernehmen, kann sie / er nicht lernen, Verantwortung zu übernehmen, sondern ist stattdessen völlig abhängig von Ihnen. Angehörige haben ein Recht auf Beratung und Unterstützung. So können Sie wiederum bestmöglich helfen. Neben den genannten Beratungsmöglichkeiten können Sie auch Selbsthilfegruppen für Angehörige besuchen. Sie werden sich wundern, wie viele Menschen in der gleichen Situation stecken wie Sie!

Bedenken Sie stets, dass Sie Hilfe anbieten, jedoch nicht die Verantwortung für die erkrankte Person übernehmen können. Dass Hilfe zunächst nicht angenommen wird, oder die Behandlung nicht sofort anschlägt, ist eher die Regel als die Ausnahme. Probieren Sie es weiter, Sie sind auf dem richtigen Weg!